Cashgame – Strategie (Tight aggressiv) – Teil 1 (No Limit Hold´em – Full Ring)
Bild: Johnny Blood | Lizenz
Kurze Info vorweg: Ich bin stolz ankündigen zu dürfen, dass Mathias mittlerweile fest ins “Bankroll.de Team” aufgenommen wurde und euch nun öfter mit seinen tollen Artikeln rund um die Pokerwelt versorgt! (Markus)
Es folgt der neuste Artikel von Mathias!
Im Cashgame variiere ich mein Spiel zwischen drei unterschiedlichen Strategien. Die tight aggressive, die semi-loose aggressive und eine Variante in denen ich während der Session zwischen beiden Stilen hin und her wechsel. In diesem Teil werde ich ausschließlich die tight aggressive Variante behandeln.
Der Artikel soll keine "Anleitung" für euer Spiel geben, sondern stellt meine eigene Art zu spielen dar. Im Poker gibt es selten 100% richtig oder falsch und die folgende Strategie ist sicher nur ein Weg von vielen, der zum Erfolg (und das tut er bei mir) führen kann. Die Wahl des Spielstils ist auch immer eine persönliche Frage. Da ich ein sehr geduldiger Typ bin, entscheide ich mich meist für den tight aggressive (TAG) Stil.
Heute also ein kleiner Einblick in meine persönliche TAG Variante
Bevor ihr mit der Session beginnt solltet ihr euch folgende Fragen stellen:
Habt ihr genügend Zeit zum spielen? Ich halte mir für eine Session mindestens 2-3 Stunden frei.
Habt ihr genügend Ruhe und auch Lust zu spielen? Falls ihr schon einen miesen Tag hinter euch gebracht habt und ihr eigentlich keinen Bock habt, dann lasst es für heute sein! Es macht wenig Sinn sich abgehetzt und ohne innere Ruhe vor den Rechner zu setzen und zu spielen. Meistens wird dann die Ungeduld (und damit der Gegner) siegreich sein.
Tableselection
Bei der Tischauswahl achte ich vor allem auf die Stackhöhe meiner Gegner. Im besten Fall haben alle einen vollen Stack (Bsp. No Limit 1/2$ = $200). Tische mit mehr als drei Spielern die short stacked (Bsp. No Limit 1/2$ = $40) spielen meide ich. Der Tisch sollte mit mindestens 8 Spielern besetzt sein. Nur an vollen 10er Tischen macht eine so tighte Variante, wie ich sie bevorzuge Sinn. Ein weiteres Kriterium ist der Wert %Player see Flop. Mir kommt natürlich ein sehr hoher Wert entgegen, denn dies spricht für eher looses Spiel am Tisch und genau danach suche ich.
Grundsätze
Das Ziel meiner Strategie ist es, mit der besten Starthand gegen ein oder zwei Gegner den Flop zu sehen und auf klare, gewinnbringende Situationen zu warten. Eine der wichtigsten Voraussetzungen dafür ist die Position am Tisch. Ich habe am liebsten Position auf meine(n) Gegner und kann nach dem Flop und den weiteren Setzfolgen immer auf seine Aktionen reagieren. Daher spiele ich nur extrem wenig Hände aus früher Position. Außerdem bin ich am liebsten der erste der in einen Pot einsteigt. Ich beobachte ständig meine Gegner und versuche mögliche Setzmuster zu erkennen. Falls Ihr keine Zusatzsoftware nutzt, macht euch Notizen zum Spielstil der Gegner (extrem tight, sehr loose, maniac, spielt großen Pot mit einem Paar usw.). Manchmal kann eine kleine Gegebenheit viel Geld bringen.
Handauswahl Pre Flop
Frühe Position (1-3)
Open Raise: AA – JJ, AKs/o, AQs
eher Limp: TT – 66, AQo, AJs
Mittlere Position (4-6)
Open Raise: AA – 77, AKs/o, AQs/o, AJs, manchmal KQs
eher Limp: 66 – 44, AJo, ATs, KQs/o, 78s, 89s, 9Ts, TJs
Späte Position (7-8)
Open Raise: AA – 55, AKs/o, AQs/o, AJs/o, ATs/o, KQs/o
eher Limp: 44 – 22, A9s, KJs/o, KTs, QJs/o, TJs, 78s, 89s, 9Ts
Blinds (SB-BB)
In den Blinds spiele ich sehr tight, es macht einfach keinen Sinn eine Erhöhung mit einer marginalen Hand zu callen, da ich nach dem Flop out of position bin. Meist spiele ich nur die Hände, die ich auch aus früher Position spielen würde. Bitte beachtet dazu auch den Artikel Das Spiel in den Blinds.
Ob ich Pre Flop mit einer Hand raise oder limpe, hängt entscheidend vom eigenen Image und von meinen Gegnern ab. Habe ich während der Session oft gute Hände im Showdown gezeigt, raise ich auch manchmal mit marginalen Händen, wie zum Beispiel Q♣J♠. Meine Gegner werden bei mir eher eine gute Hand vermuten und leichter folden. Ihr seht, dass ich auch ganz gern limpe. Viele Spieler machen das nicht, ich sehe darin allerdings folgenden Vorteil: falls ich in mittlerer Position beispielsweise K♣Q♥ raise und mein (tighter) Gegner am Button reraist, muss ich meine Hand folden da ich meist dominiert bin. Limpe ich mit der selben Hand, ist es erstens günstiger die Hand nach einem reraise abzulegen und außerdem sind einige Spieler verunsichert wenn vor ihnen Spieler in den Pot limpen und limpen dann ebenfalls. Ich kann in solchen Situationen günstig den Flop sehen und entscheiden, ob ich weiterspielen möchte.
Das Ranking, wie oben beschrieben, ist also eher eine bewegliche Schablone als ein Fixum. Entscheidend sind meine Gegner. Wenn nach Limpern sehr oft geraist wird, vermeide ich zu limpen oder warte auf Premiumhände, um genau diese Gegner damit in die Falle zu locken.
Falls bereits vor mir geraist wurde, überlege ich mir genau von wem die Erhöhung kam. Meist ist es klüger alle leicht dominierten Hände wie AT, AJ oder AQ bereits an dieser Stelle abzulegen, bevor man im Showdown feststellt das der Gegner den besseren Kicker hält. Mit Händen, die nach dem Flop zu Monstern werden können (Pocket Pairs oder Suited Connectors), calle ich eine Erhöhung von 2-4 BBs und schaue mir den Flop an.
Ähnliches gilt für Erhöhungen nach meinem Open Raise, auch hier hängt die weitere Spielweise wie fast immer vom Gegner ab. Gegen tighte Gegner, von denen ich weiß das sie mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Premiumhand halten, werde ich dominierte Hände (wie KJ, QJ, KQ) ablegen und nur mit Monsterfähigen Händen weiterspielen. Sollte mich ein eher looser Spieler reraisen, muss ich abschätzen ob ein fold, ein call oder sogar eine weitere Erhöhung richtig ist. Meist helfen mir meine Aufzeichnungen über das Pre Flop verhalten von meinem Gegner oder auch eine Zusatzsoftware, die mir verrät wie viele Hände mein Gegner spielt, beziehungsweise welche.
Das Spiel auf dem Flop
Auf dem Flop muss man zwei Entscheidungen treffen, zum einen, ob man überhaupt weiterspielen will und wenn ja, ob man einen eher kleinen oder doch einen großen Pot anhäufen will.
Sehr wichtig ist natürlich immer die Struktur des Flops. Ist ein Flush bereits möglich? Liegt ein Paar im Flop? Liegen die Karten ohne große Lücken zusammen (Beispiel: 8TJ oder A24)? Falls ich eine der Fragen mit ja beantworten kann, vermeide ich einen großen Pot. Ausnahme ist natürlich, wenn ich bereits die Nuts halte
Draws:
Wenn ich einen starken Draw (mindestens 12 Outs) zu den Nuts habe, werde ich eine eventuelle Bet meines Gegners meist erhöhen. Ich will einen großen Pot spielen, wenn ich meine Hand treffe. Außerdem gebe ich meinem Gegner die Möglichkeit zu folden, nachdem ich erhöht habe und kann manche Pots sofort am Flop einsammeln.
Wenn mein Draw nicht ganz so stark ist, spiele ich ihn meist streng nach Pot Odds. Man sollte auch immer damit rechnen, dass der Gegner einen ähnlichen oder sogar besseren Draw halten könnte. Oft sehe ich Spieler, die mit einem King oder Queen High Flush Draw all in pushen und vom Nut Draw gecallt werden. Man soll ja niemals nie sagen, aber ich versuche ein all in mit einem Draw zu vermeiden. Ganz zu schweigen, von einem Draw der nicht zu den Nuts führt!
Made Hands:
Halte ich auf dem Flop das Top Pair mit gutem Kicker, ist es mir am liebsten den Pot sofort zu gewinnen. Hierfür setze ich meist 3/4 oder in Pothöhe falls mein Gegner zu mir checkt oder ich als erster handeln muss. Zeigt mein Gegner Stärke und erhöht mein Gebot ist große Vorsicht geboten. Die durchschnittliche Gewinnerhand im Hold´em ist Two Pair. Halte ich also nur ein Paar, möchte ich meist keinen großen Pot spielen.
Bekomme ich auf dem Flop eine starke Made Hand, zeige ich dies meinem Gegner durch eine Bet oder eine Erhöhung seines Einsatzes. Wenn es gut möglich ist (und meist ist es das), dass ich noch von meinem Gegner überholt werde, spiele ich nicht slow. Ich erhöhe meist auf dem Flop und bin nicht sonderlich traurig wenn mein Gegner foldet und ich den Pot sofort gewinne. Es gibt nichts Schlimmeres, als auf dem River überholt zu werden, wenn man dem Gegner immer die richtigen Odds zum callen gegeben hat.
Das soll es für Artikel 1 gewesen sein. Im Artikel 2 geht es mit folgenden Themen weiter
Turn
River
Besondere Spielweise mit AA
Das Spiel gegen Shortstacks
HIER DER GEHT ES WEITER ZUM ZWEITEN ARTIKEL
Bis dahin,
euer Bubbleboy
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