Cashgame – Strategie (Tight aggressiv) – Artikel 2/2 (No Limit Hold´em – Full Ring)

Poker Mischen
Bild: Johnny Blood | Lizenz 

Hinweis: Dies ist die Fortsetzung des Artikels Cashgame – Strategie (Tight aggressiv) – Teil 1 (No Limit Hold´em – Full Ring)

Turn

Auf dem Turn sollte man schon eine ziemlich genaue Ahnung von der gegnerischen Hand haben. Dabei hilft mir meine Zusatzsoftware, die mir unter anderem den bisherigen Ablauf der Hand anzeigt. Ich kann die Hand jederzeit im Kopf wiederholen und weiß beispielsweise immer, wer der erste Aggressor in der Hand war. Die Setzfolge in der Hand ist ein sehr wichtiges Instrument. Hat mein Gegner zum Beispiel bisher Pre Flop und auf dem Flop nur gecallt und raist plötzlich auf dem Turn, hat er jetzt wahrscheinlich seinen Draw getroffen (oder er hielt bereits ein Monster). Meine Lieblingsbeschäftigung zwischen selbst gespielten Händen ist das Handreading. Wenn ich selbst nicht in die aktuelle Hand involviert bin, versuche ich immer die Hände der aktiven Spieler zu "erraten". Es ist ein schönes Gefühl, die genaue Hand vorauszusagen, obwohl dies eher selten gelingt. Mit ein wenig Übung ist es allerdings gut möglich den Gegner auf eine schmale Range zu setzen, die dann meistens zutrifft. Diese Fähigkeit ist speziell auf dem Turn sehr wichtig, denn meist verändert sich hier die Potgröße extrem.

Dazu ein kleines Rechenbeispiel

Ich calle (Cut Off) Pre Flop ein raise von einem Gegner (UTG) in Höhe von 3 Big Blinds. Der Dealer callt ebenfalls, die Blinds folden. Potgröße Pre Flop: 10,5 BBs.

Auf dem Flop setzt der Spieler UTG 5 BBs. Ich, sowie der Dealer callen. Potgröße vor dem Turn: 25,5 BBs.

Nach dem Turn setzt UTG 16 BBs, wieder callen der Dealer und ich. Potgröße nach dem Turn: 73,5 BBs.

Wie Ihr seht, verändert sich die Potgröße wertmäßig auf dem Turn deutlich höher als in den Setzrunden vorher. Der Grund ist natürlich, dass sich die Setzgröße fast immer an der Potgröße orientiert. Calle ich, wie im Beispiel angenommen, den Einsatz auf dem Turn (16 BBs), muss ich damit rechnen, dass mein Gegner auf dem River ungefähr 40 BBs setzt.

Ich finde dieses "Vorausrechnen" extrem wichtig, nur so kann ich ungefähr ahnen, wie groß ein Pot in den nächsten Setzfolgen wird und daraus Schlussfolgern, wie stark meine Hand sein sollte.

Kommen wir jetzt zurück zum Spiel, nachdem der Turn gelegt wurde. Ich habe also eine (ich hoffe es zumindest) gute Ahnung davon, was mein Gegner in der Hand hält. Da ich nicht blind spiele, kenne ich meine eigene Hand natürlich ebenfalls und kann jetzt entscheiden, wie ich weiterspiele. Vermute ich die stärkere Hand bei mir, ist die Anzahl der Karten entscheidend, die ich auf dem River nicht sehen will. Sind es sehr viele Outs für meinen Gegner, mache ich eine dementsprechend große Bet. Falls mein Gegner callt, sollte es auf jeden Fall ein Fehler nach Pot Odds von ihm sein. Bin ich mir sehr sicher, dass ich fast uneinholbar vorne liege, überlege ich, wie viel mein Gegner wohl callen würde. Oft setze ich dann etwas weniger als den halben Pot und hoffe, dass mein Gegner mitgeht oder vielleicht sogar erhöht. Liege ich dagegen auf dem Turn hinten, muss ich mir Gedanken über meine Outs machen. Die Chance, meine Hand noch zu treffen, ist im Vergleich zum Flop nur noch halb so groß (außer der Turn gibt mir weitere Outs). Habe ich weniger als 8 Outs und bin mir sicher, dass ich aktuell hinten liege, trenne ich mich meistens von meiner Hand. Nach der 4er und 2er Regel habe ich mit 7 Outs eine Chance von ca. 14% meine Hand zu treffen, nicht gerade viel, um den Pot jetzt noch weiter anwachsen zu lassen.

Habe ich genügend Outs und mein Gegner gibt mir die richtigen Odds zum callen, werde ich auch callen. Voraussetzung ist natürlich, dass ich mir sicher bin auch auf die Siegerhand zu drawen. Es ist wenig sinnvoll, beispielsweise auf eine Straße zu drawen, wenn bereits eine Flushmöglichkeit auf dem Board liegt.

River

Der River wurde gegeben, die letzte Chance seine Hand zu verbessern ist jetzt Geschichte ;-)

An dieser Stelle lasse ich die Hand noch einmal Revue passieren. Wer hat wann erhöht? Hatte mein Gegner gelimpt oder Pre Flop geraist? Kann er wirklich die Hand halten, auf die ich ihn setze oder hätte er diese anders gespielt? All diese Fragen sollten mir helfen zu entscheiden, eine Riverbet zu spielen, einen Einsatz zu callen, beziehungsweise sogar zu erhöhen. Ein weiteres Kriterium ist natürlich die Antwort auf die Frage, ob ich bereits Pot commited bin. Habe ich bereits 3/4 meines Stacks in die Hand investiert, bin ich auch bereit den Rest meiner Chips in die Mitte zu schieben ohne das ich mir sicher bin, dass ich wirklich die beste Hand halte.

Ob ich auf dem River einen Bluff spiele, hängt natürlich vom genauen Verlauf sowie von der Hand, auf die ich meinen Gegner setze, ab. Verpasse ich zum Beispiel meinen Draw, vermute aber bei meinem Gegner ebenfalls einen gescheiterten Draw, könnte dies der richtige Zeitpunkt für einen Bluff sein. Wichtig für mich ist auch meine Einschätzung der Spielstärke des Gegners. Gegen einen vermeintlich schlechten Gegner ist es häufig eine sehr schlechte Idee zu bluffen, da dieser auch mit schlechten Händen (aber immer noch besser als die eigene) callen wird. Ein starker Spieler kann auf dem Turn oder auf dem River auch eine gute Hand ablegen, diese Spieler eignen sich natürlich besser für einen Bluff.

Noch ein paar Tipps und Hinweise:

Wie ich bereits in der Einleitung von Teil 1 erwähnt habe, soll der Beitrag kein "Lehrbuch" sein. Phil Ivey hat einmal gesagt: "Finde Deinen eigenen Stil!" Das ist vollkommen richtig. Niemand sollte einen Spielstil kopieren, das gilt natürlich auch für meinen ;-) Vielleicht findet Ihr einige Ansätze und Gedanken, die Ihr in euer Spiel übernehmen könnt. Wichtig ist immer, dass Ihr euch in den Händen, die Ihr spielt, "wohl fühlt". Es bringt nichts, wenn jemand widerwillig mit A9s aus mittlerer Position erhöht, nur weil er es in irgendeinem Buch gelesen hat. Wenn Ihr euch bei einem Spielzug nicht wohl fühlt, dann lasst einfach von ihm ab oder spielt ihn anders. Niemand sollte sich ein genaues Spiel vorschreiben lassen.

Die Themen "Besondere Spielweise mit Assen und Königen" sowie "Das Spiel gegen Shortstacks (im Cashgame)" werden demnächst als extra Artikel veröffentlicht. Die Länge des Beitrages hätte sonst wieder unübersichtliche Ausmaße angenommen.

Natürlich bin ich, wie immer, offen für Kritik, Anregungen und alle aufkommenden Fragen! Gerne könnt Ihr mir auch Themenwünsche für einen der nächsten Beiträge zukommen lassen.

In diesem Sinne, freue ich mich schon jetzt auf eure Kommentare,

euer Bubbleboy ;-)

  • http://www.bankroll.de/2009/01/25/cashgame-strategie-tight-aggressiv-teil-1-no-limit-holdem-full-ring/ Bankroll.de – Poker 2.0 » Cashgame – Strategie (Tight aggressiv) – Teil 1 (No Limit Hold´em – Full Ring)

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