Strategie – Short Stacked im Turnier

Short Stacked Poker
Bild: russelljsmith | Lizenz

Zur Definition: short stacked ist man, wenn man nur noch ca. 10 Big Blinds oder weniger hat. Sind Antes im Spiel, kann man die Grenze bis ca. 15 Big Blinds anheben. Hast Du also noch 1000 Chips und die Blinds sind 50/100, bist Du short stacked, trotzdem bist Du noch lange nicht ausgeschieden.

Sicherlich ist jeder von euch schon einmal unglücklich in ein Turnier gestartet. Gerade bei Onlineturnieren, mit schnell steigenden Blinds und relativ geringem Startstack, ist es dann schnell passiert: man ist short stacked.

Ich sehe immer wieder Spieler, die mit dieser Situation völlig falsch umgehen. Sie schalten auf “Tilt” und kurze Zeit später scheiden sie meistens völlig unnötig aus dem Turnier aus. Damit es euch nicht so geht, solltet Ihr einige Regeln beachten.

Regel Nummer 1: Nicht aufgeben!

Das größte Problem von vielen Spielern ist, dass sie glauben mit wenig Chips nicht mehr gewinnen zu können. Sie denken “ich bin ja eh gleich ausgeschieden” und oft passiert genau dies auch, weil sie anfangen schlecht zu spielen. Das muss wirklich nicht sein, so lange man noch Chips hat, ist man noch im Turnier und so lange man noch im Turnier ist, kann man es auch gewinnen! Meist ist es möglich mit 1-2 guten Händen wieder zu verdoppeln und schon ist man zurück. Ziel ist es, die wenigen Chips die man noch hat, als Favorit in die Mitte zu bringen.

Regel Nummer 2: Sei geduldig, achte auf Position und Stackgrößen!

Warte besser eine Runde länger auf eine Hand mit Showdownwert, als mit einem Babyass (ein Ass mit kleinem Kicker) in früher Position all in zu pushen. Einige Spieler raten einem, mit dem ersten Ass was man bekommt all in zu gehen. Ich finde diese Aussage viel zu pauschal, achte lieber auf eine gute Position oder eben ein wirklich gutes Blatt! Beachte immer Deine Position am Tisch, die Aktionen der Gegner vor Dir, sowie die Stacks aller Spieler. Je besser Deine Position, desto weniger stark muss Deine Hand sein um all in zu gehen.

Ein Beispiel zur Position: A♣7♥ würde ich in früher Position eher ablegen, sitze ich aber auf dem Button und alle folden zu mir, pushe ich damit all in, schließlich kommen nur noch zwei Gegner hinter mir. Neben der Position spielen die Stackgrößen der Gegner eine entscheidende Rolle. Ist ein Big Stack in der Hand oder noch hinter Dir am Zug, ist es viel wahrscheinlicher das man gecallt wird. Spieler mit vielen Chips können es sich leisten Deine Hand zu “kontrollieren”, Du solltest also bereit für einen Showdown sein.

Regel Nummer 3: Be the raiser, not the caller!

Nach David Sklanskys “gap Konzept”, braucht man eine wesentlich stärkere Hand um ein all in zu callen, als wenn man selbst all in geht. Gerade Anfänger verstehen dieses Konzept überhaupt nicht. In einem der letzten Turniere, ist es mir selbst wieder einmal passiert. Ich gehe in später Position mit A♦9♦ und meinen letzten 7 Big Blinds all in und werde vom Dealer gecallt. Ich dachte “das wars”, denn meine Hand war nicht überwältigend. Als die Karten aufgedeckt werden, zeigt der Dealer Q♣J♠ und ich bin 60 zu 40 Favorit ;-)

Tu Dir selbst den Gefallen und calle nicht mit dominierten, schwachen Händen wie QJ, KJ, QT oder ähnliche.

Ein weiterer Vorteil selbst der Aggressor zu sein, ist natürlich die Fold Equity (die Wahrscheinlichkeit, dass ein Gegner eine gute oder vielleicht sogar bessere Hand foldet und man dadurch den Pot gewinnt).

Regel Nummer 4: Lass Dich nicht von den Blinds auffressen!

Fällst Du unter die Grenze von 5 Big Blinds, ist es an der Zeit zu aggieren. In dieser Situation musst Du auch mit Händen vorlieb nehmen, die man mit 10-15 Big Blinds noch locker folden würde. Ein Beispiel wäre Q♥9♥, mit dieser oder einer ähnlichen Hand kann man in dieser Lage all in gehen und das Beste hoffen. Bei einem Pre Flop all in benötigt man immer etwas Glück, egal welche Karten man hält, trotzdem gilt immer noch Regel 2. Steigt nicht mit absoluten “Müllhänden” wie 5♠8♥ oder 2♦9♣ ein ;-)

Abschließend, als kleiner Ratgeber speziell für Anfänger, noch eine Starthandauflistung, wie ich mich in einem Turnier als short stacked verhalte:

Mit folgenden Händen pushe ich all in (als erster im Pot), wenn mein Stack

zwischen 8 und 12 Big Blinds beträgt (9er Tisch):

Pos 1-3: AK, AQ, 99 – AA

Pos 4-6: AK, AQ, AJs, 77 – AA

Pos 7-9: A7 – AK, AXs, KQ, jedes Paar

Beträgt mein Stack weniger als 8 Big Blinds:

Pos 1-3: AJ – AK, 77 – AA

Pos 4-6: A8 – AK, A7s, A6s, KQ, KJs, KTs, alle suited connectors ab 78, 55 – AA

Pos 7-9: jedes Ass, KXs, K7 – KQ, jede Hand mit 2 Bildkarten, alle suited connectors ab 45, jedes Paar

Hinzu kommen einige gap connectors wie Q9s oder J9s je nach Situation. Gibt es Raiser vor mir, erhöhe ich die Ansprüche an meine Hand nach gap Konzept.

Wie Ihr seht, warte ich recht lange wenn mein Stack noch 8 oder mehr Big Blinds hergibt. Falle ich unter diese Grenze, senke ich die Ansprüche natürlich ab. Wichtig ist natürlich auch die Spielweise der Gegner am Tisch, 100% starre Entscheidungen sind daher selten möglich.

Also, seid Ihr demnächst short stacked in einem Turnier, gebt nicht auf und wartet auf die passende Situation, so sollte ein double up gelingen und Ihr könnt das Feld von hinten aufrollen ;-)

Viel Spaß dabei,

Euer Bubbleboy!

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