Poker – Tipps und Tricks für den Anfänger – Teil 4

Poker 6

Bild: adam.croft | Lizenz 

Der Flop

Nachdem Du Dich entschieden hast, eine Hand zu spielen, folgt auf dem flop die nächste wichtige Entscheidung. Mit dem flop liegen bereits 3 von 5 Gemeinschaftskarten auf dem board und Du bekommst nicht mehr viele Gelegenheiten Deine Hand zu verbessern. Du solltest Dir also im Klaren darüber sein, ob Deine Hand ein weiterspielen ermöglicht oder nicht.

Die Stärke Deiner Hand lässt sich grundsätzlich in 3 Kategorien einteilen:

Made Hand:
Du hast bereits ein Paar oder etwas besseres auf der Hand
Draw Hand:
Du benötigst noch eine Karte, die Dir hilft, Deine Hand zu verbessern (Beispiel: Du hälst 78 und auf dem flop kommt 962, Dir hilft die 5 oder eine Zehn zur Straße)
Trash Hand:
Der flop hat Dir überhaupt nicht geholfen und Deine Hand ist "Müll"!

Wie man die verschiedenen Hände spielt:

Made Hand:
Eine made hand lässt sich in 3 Gruppen spalten, die gute Hand (Paar), die starke Hand (zwei paare, drilling) und das Monster (full house, flush, etc.). Viele Anfänger machen den Fehler mit einer guten Hand "slow zu spielen"
(wenig zu setzen). Genau das solltest Du als guter Pokerspieler nicht tun! Slowplay mit einer guten Hand hat 2 Nachteile. Zum Einen bekommst Du nicht viel Geld in den Pot, wenn Du die bessere Hand hälst, zum Anderen gibst Du dem Gegner die Möglichkeit, Dich auf dem turn oder dem river noch zu überholen,
ohne dass er viel Risiko eingehen müsste.
Mit den guten und starken Händen solltest Du also setzen! In der Regel sollte Dein Einsatz ungefähr 3/4 der Potgröße betragen, so versetzt Du Deinen Gegner in eine schwierige Lage. Callt Dein Gegner, fällt die nächste Entscheidung auf dem turn, erhöht er jedoch, musst Du Deine Hand neu überdenken. Ist sie stark genug um ein raise zu callen oder vielleicht sogar weiter zu erhöhen? Dabei spielt Dein Gegner und die Textur des flops eine große Rolle.
Triffst Du auf dem flop ein Monster, kannst Du zum slowplay wechseln und nur soviel setzen, das Dein(e) Gegner wahrscheinlich im Pot bleiben. Manchmal hilft dann auch ein check, um Deinen Gegnern die Möglichkeit zu geben sich zu verbessern.

Draw Hand:
Mit einem draw auf der Hand benötigst Du noch Hilfe auf turn oder river. Wichtig ist hierbei, wieviele Karten Dir noch helfen und wieviel Du eventuell callen musst um im Pot zu bleiben. Die beiden häufigsten draws sind der straight draw und der flush draw. Eine einfache Formel wird Dir helfen, zu berechnen,
ob es richtig ist weiter zu spielen oder nicht!
Als erstes bestimmst Du, wie viele Karten Dir noch helfen würden, Deine Hand in eine Siegerhand zu verwandeln. Die Karten die Dir helfen nennt man outs. Hast Du zum Beispiel 5♥6♥ und der flop bringt 9♥2♥K♣
hast Du einen flushdraw. Jedes Herz würde Dir helfen die wahrscheinlich beste Hand zu bekommen. Es sind 13 Herzkarten im Deck, 4 sind bekannt, Du hast also 9 outs zum flush! Zeigt der flop 4♣7♠J♦ hast Du einen straightdraw. Jede 3 und jede 8 würde Dir zur Straße helfen, da jede Karte
4x vorhanden ist hast Du 8 outs.
Jetzt kannst Du ausrechnen wie hoch Deine Chancen sind, eines Deiner outs zu treffen. Du multiplizierst die outs entweder mal 2 (Chancen für den turn)
oder mal 4 (Chancen für turn und river).
Die genauen Wahrscheinlichkeiten auszurechnen, ist während des Spiels meist unpraktisch, somit belasse ich es hier bei der einfachen Formel (kann mit dem genauen Ergebniss 1-2% abweichen).

Beispiel:
Du hast auf dem flop 9 outs. Die Chance, dass Du eines davon auf dem turn triffst liegen bei ca. 18% (9 outs x 2)!
Die Chancen für turn und river liegen bei ca. 36% (9 outs x 4).

Falls Dein Gegner vor Dir einen Einsatz gemacht hat, kannst Du nun auch noch ausrechnen ob es mathematisch richtig ist, zu callen oder zu folden.
Dafür musst Du die sogenannten pot odds bestimmen. Entscheidend ist das Verhältniss der Potgröße zur bet die Du noch callen müsstest.

Auch hier ein einfaches Beispiel:
Es liegen 4$ im Pot und Dein Gegner setzt 1$. Jetzt liegen 5$ im Pot und Du musst 1$ callen um dabei zu bleiben. Das Verhältniss liegt also bei 5:1. Um langfristig zu gewinnen sollten Deine Chancen also besser als 5:1 = 16,6% sein!
Mit einem flushdraw aus dem oben genannten Beispiel könntest Du also callen. Es wäre mathematisch richtig und auf Dauer würdest Du auf jeden Fall Geld gewinnen (gilt natürlich nur, wenn Dein flush auch die beste Hand wäre)!

Trash Hand:
Wenn Du den flop völlig verfehlst solltest Du meistens folden. Anfänger bluffen in der Regel zu häufig und in der falschen Situation. Zum bluff solltest Du nur selten greifen, zum Beispiel um undurchsichtig in der Spielweise zu bleiben. Dazu reichen aber wenige bluffs in einer session aus!

Gegner:
Vieles hängt natürlich wie immer vom jeweiligen Gegner ab. Im letzten Teil hatte ich Dir die Aufgabe gegeben, Deine Gegner in Kategorien der verschiedenen Spielweisen einzuteilen. Diese Einteilung wird Dir jetzt helfen, Deinen Gegner auf eine bestimmte Handrange zu setzen. Ein tighter Spieler wird einen flop mit
J♣5♥A♠ eher getroffen haben als ein looser Spieler. Mit der Zeit wirst Du Dein handread weiter verbessern und es wird Dir leichter fallen Deinen Gegner einzuschätzen. Dazu benötigt man Konzentration und vor allem Erfahrung.

Textur des flops:
Je nach flop, kann eine gleiche Hand unterschiedlich stark sein. Stell Dir vor, Du hälst A♦A♣. Auf einem flop mit 5♠9♦K♣ ist Dein overpair sehr wahrscheinlich die beste Hand und im Normalfall
solltest Du die Hand zu Ende spielen.
Ein paar Runden später bekommst Du wieder Asse und diesmal kommt der
flop mit 6♠7♠9♠. Wieder hast Du ein overpair, diesmal ist es jedoch weitaus schwächer als im vorigen Fall. Es ist viel wahrscheinlicher, dass ein Gegner hier eine Hand hält, die Dich entweder bereits geschlagen hat oder die
Dich häufig noch überholen wird!
Beachte also immer, zusammenhängende oder gleichfarbige flops sind gefährlicher als unkoordinierte. Dies sollte Deine Entscheidung in jeder Hand aufs neue beeinflussen.

Das war´s für Teil 4 ;-)

Solltest Du Fragen zu den Formeln oder anderen Dingen haben, scheu Dich nicht einen Kommentar zu hinterlassen! Im nächsten Teil kommen wir zu turn + river!

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